Chilli und der Schneemann

Gerne erzähle ich Euch das Märchen von Chilli und dem Schneemann:

Es war einmal eine sechs Monate alte Eurasierprinzessin namens Chilli, welche mit ihrem zehnbeinigem Gefolge am Abend des 25. November auf einem großen Feld am Ende der Stadt den ersten Schneefall ihres bis dahin noch jungen Lebens erlebte.

Sie war außer sich vor Freude, sprang lustig herum und versuchte, die Schneeflocken zu fangen.

Ihre immer zu Diensten stehenden Diener Flint, Insha und Birgit schauten dieser glücklich zu und dankten Frau Holle wegen der zahlreichen Schneeflocken, denn wenn es der Prinzessin gut ging, ging es auch ihnen gut. Auch die vielen Menschenkinder, welche mit ihren Schlitten ebenfalls auf dem großen Feld waren, hatten ihren Spaß an Prinzessin Chilli. Sie spielten mit ihr „Schneeball fangen“, bis sie selber müde wurden.

Die Zeit verging dabei wie im Flug und es wurde immer dunkler. Der Mond ging nun am Himmel auf, um den Kindern den Heimweg zu leuchten. Nur Prinzessin Chilli war noch nicht müde. Sie wollte noch etwas bleiben und weiterspielen, aber ihr Gefolge musste sich auch ausruhen.

“Wenn ihr nicht mit mir spielt, suche ich mir eben jemand anderen!“, sagte die kleine Prinzessin beleidigt und versuchte, den großen Schneemann auf der Wiese, welchen die Menschenkinder dort alleine zurückgelassen hatten, aufzufordern. Aber auch dieser war müde, schüttelte seinen schweren Kopf und stützte sich auf seinen großen Besen.

Das passte der Prinzessin gar nicht, sie bellte ihn an, sprang an ihm hoch und wurde immer ärgerlicher. Keiner wollte mehr mit ihr spielen, konnte das wahr sein? „Nun, wenn auch Du nicht mit mir spielen willst“, sagte die immer noch beleidigte Prinzessin Chilli, „dann, dann, dann...ja jetzt hab ichs: dann klaue ich dir eben deine Nase!“

Gesagt, getan: Die kleine Prinzessin sprang ein letztes Mal hoch und zog dem verdutzten Schneemann die lange Möhren-Nase aus dem Gesicht.

Noch bevor dieser sich wehren konnte, lief sie mit ihrem „Schatz“ davon.

Stolz zeigte sie ihrem Gefolge ihr neues Spielzeug, wälzte sich besitzergreifend auf diesem herum und war nun endlich bereit, auch nach Hause zu gehen. Sie trug den Schatz vorsichtig des Heimweges und ihr dienendes Gefolge sagte sich: „Der Froschkönig hat seine goldene Kugel, lassen wir unserer Prinzessin Chilli ihre rote Möhren-Nase...“

Und da sie nicht gestorben sind, leben sie noch heute.

Ende!